Die Horrorm√ľhleūüė≥

Vor etwa zwei Wochen fuhr ich nach Niederbayern, um die neue Wohnung zu streichen und zu putzen. An den Wänden war noch alte Farbe und die Decken waren ziemlich verfärbt. Die Vormieter waren Raucher und der Kamin hat den Wänden und Decken auch nicht gut getan. Es war auch total schmutzig und alles voller Spinnweben. Es gab also viel zu tun.

Ich besorgte also verschiedene Wandfarben und alles was dazu geh√∂rt. Ich entschloss mich dazu auch Bodenbelag zu kaufen. Die komplette Wohnung war mit Fliesen ausgestattet. Ich entschied mich daf√ľr, in den Schlafzimmern und Wohnzimmer Laminat zu legen. Also kaufte ich ne Stichs√§ge, Laminat und alles was dazu geh√∂rt.

Vier Tage strich ich die Wände und Decken, putzte, schleppte den Laminat und richtete mir schon ein Ess- und Wohnzimmer ein.

Nebenbei half ich auch noch auf den Hof. Der Vermieter brauchte dringend Unterst√ľtzung und er meinte, wenn ich ihm auf den Hof helfen w√ľrde, w√ľrde er das mit der Miete verrechnen. Aber eigentlich war mir das alles zu viel. Ich wollte mich erst mal auf meinen Umzug fokussieren. Da er aber oft nicht zu Hause war und mir die Tiere leid taten f√ľhlte ich mich direkt verpflichtet, mich um sie zu k√ľmmern. Die Nachbarn halfen ihm nicht mehr, weil der er sie st√§ndig attackierte. Er versuchte mich auch st√§ndig gegen sie auszuspielen und erz√§hlte mir st√§ndig irgendwelche Geschichten, die gar nicht stimmten. Ich wollte mit diesen ganzen Dramen gar nichts zu tun haben.

Es gab von Anfang an keinerlei Distanz. Entweder klingelte mein Vermieter bei mir oder ich begegnete ihm im Hof. Er wirkte oft wie ein kleines, ver√§ngstigtes Kind. Dann wollte er getr√∂stet werden und erz√§hlte mir immer wieder wie schlecht doch alle zu ihm w√§ren. Ich glaube, er f√ľhlte sich sehr einsam. √úber Naturheilkunde konnte man sich gut mit ihm unterhalten. Das war¬īs dann aber auch schon.

Ich wusste nichts von seinem Alkoholproblem. Abends, wenn er getrunken hatte, war er ein ganz anderer Mensch. Obwohl er allgemein schon eine krasse Persönlichkeitsstörung hatte. Eine narzisstische Persönlichkeitsstörung!

Es stellte sich heraus, dass er den Hof nicht hatte um nachhaltig zu leben, weil ihm unsere Umwelt am Herzen so am Herzen liegt. Er lebt autark, weil er felsenfest davon √ľberzeugt ist, dass der dritte Weltkrieg unmittelbar bevor steht. Er ist √ľbertrieben √§ngstlich und f√ľhlt sich von allem und jedem bedroht, ein absoluter Pessimist, der sehr depressiv wirkt.

Er hatte krasse Stimmungsschwankungen. Zu mir war er aber immer besonders freundlich. Das ist aber Regel, wenn man noch in der Idealisierungsphase ist. Mittlerweile kenne ich mich mit dem narzisstischen Kreislauf ganz gut aus.

Wenn er betrunken war, kam seine rechtsradikale Seite auch immer wieder zum Vorschein. Er f√ľhlte sich st√§ndig bedroht. Einige Monate zuvor wurden ihm all seine Waffen von der Polizei abgenommen, weil sie geladen und ungesichert im Hof herumlagen. Er erz√§hlte mir, dass er sie nur herumliegen hatte, weil er den Waffenschrank gerade gereinigt hatte. Es stellte sich aber heraus, dass er sie grunds√§tzlich nie einsperrte. Auf dem Hof leben auch Kinder und ich war wirklich beruhigt, dass er keine Waffen mehr besa√ü. Vor allem, weil ich auch immer mehr seiner Ausraster mitbekam.

Er hatte definitiv ein Aggressionsproblem und war total √ľberfordert mit dem Hof. Er erz√§hlte anderen, dass ich den Hof mit ihm retten w√ľrde. Dabei war davon nie die Rede. Ich warte nicht auf irgend nen Krieg. Ich will mich auf das Positive im Leben fokussieren und da sind diese Paranoia das letzte, was ich brauche.

Sein ganzes Geld und seine Energie steckte er nur in diesen Hof. Einiges war aber echt total verr√ľckt.

Zum Beispiel kaufte er sich ne Drohne f√ľr 8000‚ā¨, die er aber nicht bedienen konnte, weil er keine Ahnung hat, wie man einen Computer bedient. Die kaufte er sich, um den Feind aufzusp√ľren, wenn er kommt. ūü§£ Auf der anderen Seite schlief er auf einer komplett kaputten, schmutzigen Matratze. Eigentlich hatte er urspr√ľnglich nur eine Holzpritsche. Weil das den Nachbarn leid tat, schenkten sie ihm die Matratze. Er schlief immer mit seiner schmutzigen Kleidung und seinen Gummistiefel, die komplett voll Schlamm waren. Er hatte kein Kopfkissen und besa√ü nur eine ganz d√ľnne schmutzige Decke. Er a√ü das harte Brot aus dem schmutzigen Eimer der Pferde. Ich merkte immer mehr, dass er jemanden suchte, der sich um ihn k√ľmmert.

Die Nachbarin hatte viel f√ľr ihn getan, seine W√§sche gewaschen und bei ihm geputzt, nat√ľrlich alles unentgeltlich. Aber mit ihr hatte er es sich verdorben. Ein Narzisst nimmt immer mehr, als er gibt. Er manipuliert, kontolliert, verdreht die Tatsachen und nutzt Menschen aus. Und ich erkannte immer mehr „red flags“(Anzeichen, woran man Narzisten erkennt) an ihm. ūüė≥

Nach vier Tagen auf dem Hof, bekam ich eine lautstarke Disskussion zwischen ihm und meinen Nachbarn mit. Als ich n√§her kam, sprach mich die Nachbarin an und wollte mich vor dem Vermieter warnen. Das war der Punkt, an dem es eskalierte. Er rastete komplett aus und warf eine Wanne nach ihr. Sie meinte dann ganz ruhig. Dr. W. du wei√üt, dass du Hilfe brauchst, du wurdest nicht grundlos schon drei mal zwangseingewiesen. Daraufhin rannte er auf sie zu und br√ľllte sie an, er ballte die F√§uste und ich dachte er schl√§gt gleich zu. Das war der Schl√ľsselmoment, in dem ich beschloss, den Hof zu verlassen.

Das tue ich mir definitiv nicht an! Ich wollte auf¬īs Land um Ruhe zu finden und mich komplett auf meine Behandlung konzentrieren zu k√∂nnen. Und dann das!

Ach, es waren einige solcher Situationen in der kurzen Zeit. Er machte st√§ndig alle verr√ľckt, wenn er sich gerade dachte, seine Hunde k√∂nnten weggelaufen sein. Dabei waren die beiden so eingesch√ľchtert, dass sie sich kaum aus dem Zimmer trauten. Er schrie dann nur noch cholerisch herum und randalierte. Er hatte einen wirklich krassen Kontrollzwang.

Was mich total belastete war, dass er die Tiere schlug. Eines der Pferde hatte √ľberall Narben am K√∂rper von der Peitsche. Es war der j√ľngste Hengst, den er hatte. Und er kam ohne Gewalt einfach nicht klar mit ihm. Er schlug aber auch die Hunde. Ich habe selbst eine H√ľndin und ich bekam langsam Angst um sie. Er legte auch √ľberall K√∂der aus, wegen der Ratten. Die Ziege war bereits daran gestorben und ich machte mir immer mehr Sorgen um meine H√ľndin.

Meine Vormieterin (seine Stieftochter) hatte ihn angezeigt, wegen K√∂rperverletzung. Er bildete sich ein, dass sie ihn bei der Polizei verpfiffen hatte, wegen der Waffen. Er dachte grunds√§tzlich, dass ihn jeder hintergehen w√ľrde. F√ľhlte sich st√§ndig angegriffen und wurde dann aggressiv.

Er wurde zu 8000‚ā¨ Schmerzensgeld verdonnert. Auch seine Ex-Frau hatte er mit einer gro√üen Stahlplatte attackiert. Weil sie ihn seiner Meinung nach nicht genug auf dem Hof unterst√ľtzte, schmiss er ihren Fernsehr aus den Fenster.

Wenn er sich mit mir auf dem Hof unterhielt, drehte er sich manchmal einfach weg und urinierte auf den Hof. Es ist kaum zu glauben, dass er als Arzt in einer Klinik beschäftigt ist.

Es waren so viele krasse Vorf√§lle in dem kurzem Zeitraum, dass ich das alles abbrechen musste. Ich wollte ihn nicht direkt damit konfrontieren. Habe keine Lust mehr auf sinnlose Dramen und Stress. Darum wartete ich ab, bis er wieder seinen 24 Std. Dienst in der Klinik hatte. Den Zeitraum nutzte ich f√ľr meinen Auszug.

Mein Traum vom Landleben ist erst mal geplatzt. Ich habe viel Arbeit und auch Geld investiert und alles zur√ľckgelassen.

Aber lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

Egal, wenn sich eine T√ľre schlie√üt, √∂ffnet sich eine neue..

2 Kommentare zu „Die Horrorm√ľhleūüė≥

  1. Weia, ich habe das gerade gelesen und bin einfach nur sprachlos….was es doch f√ľr seltsame und verr√ľckte Menschen auf diesem Planeten gibt. Schade um das Geld und die M√ľhen die Du investiert hast, aber ich nach dem was ich gerade gelesen habe kannst Du wohl mehr als froh sein so schnell einen Weg raus gefunden zu haben. Dennoch ist es mir unverst√§ndlich wie solch ein Mensch noch als Arzt praktizieren kann – das muss doch auffallen.

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    1. Ja. hab da schon echt viel Arbeit und auch Geld investiert. War schon ärgerlich. Aber bin echt froh, dass ich da nochmal die Kurve gekriegt habe. Ein paar Wochen nachdem ich gegangen bin hatte er einen Schlaganfall. Ich glaube nicht, dass er wieder arbeitet. Mir wurde gesagt, dass er bei der Arbeit ein anderer Mensch ist. Und ich habe ihn auch nicht nur so aggressiv und gestört erlebt. Es ist, wie wenn er zwei Persönlichkeiten hat. Manchmal verliert er komplett die Kontrolle.

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