Staging

Vor einiger Zeit war ich in der Klinik, um mich komplett duchchecken zu lassen. Ein Staging ist eine Untersuchung, bei der CT Bilder, Mammographien und/oder Kernspintomographien gemacht werden, um den genauen Verlauf einer Krebserkrankung beurteilen zu k├Ânnen. Ich hatte letztes Jahr noch die Lunge voller Metastasen. Sie wurden nie gez├Ąhlt. Daf├╝r waren es zu viele. Der gr├Â├čte Knoten betrug 4,8 cm. In der H├╝fte befindet sich noch eine gr├Â├čere Metastase und die Eierst├Âcke waren auch befallen.

Ich fing letztes Jahr eine schulmedizinische Therapie (Aromatasehemmer und Biphosphonate) an. Weil ich mich aber nicht damit abfinden wollte, dass ich jetzt Palliativpatientin bin, recherchierte ich selbst. Ich stellte meine Ern├Ąhrung komplett um, fing an zu fasten, lie├č mir Vitamin C Infusionen geben und lie├č spezielle Untersuchungen in einer Privatklinik machen. Dabei stellte man fest, dass meine Darmwand por├Âs ist. Das geht nicht nur mir so. Es gibt sehr viele Menschen, deren Darm gesch├Ądigt ist. Man merkt es nur nicht. Das kommt durch eine ungesunde Lebensweise. Vor allem Pestizide in unserer Nahrung f├╝hren dazu, dass nach und nach unser Darm massiv gesch├Ądigt wird. Seitdem bin ich dabei, regelm├Ą├čig zu entgiften und ern├Ąhre mich ballaststoffreich.

Ich fing an Sport zu treiben, machte Atem├╝bungen und fing an zu meditieren. Es war nicht einfach, aber ich kam nach langem hin und her an Cannabisbl├╝ten heran. Daraus stellte ich mir zusammen mit einem Freund RSO (Rick Simson ├ľl) her. Das ist ein starkes Cannabis-├ľl mit einem enorm hohen THC Gehalt. Rick Simson hat es nicht entdeckt. Aber er hat es bekannt gemacht, nachdem er seinen schwarzen Hautkrebs damit selbst geheilt hat. Ich nehme es immer noch und mir geht es so gut damit. Auf jeden Fall geht es mir viel besser, als mit dieser Anti-Hormon-Therapie. Nach und nach lie├č ich gegen den Rat meiner ├ärzte alle schulmedizinischen Medikamente weg. Daf├╝r pumpte ich mich voll mit Vitaminen, Aminos├Ąuren, Antioxidanzien und so weiter. Ich bekam Schwarzk├╝mmel├Âl von meiner Verwandtschaft aus Algerien. Sie besorgten mir Tee von den Tuareg und eine Mischung aus Ginseng, Pollen, Kr├Ąutern und vieles mehr.

Meine Tumormarker gingen immer weiter zur├╝ck. Das ist der Entz├╝ndungswert im Blut, durch den man in der Regel den Verlauf einer Krebserkrankung verfolgen kann. Die Tumormarker sind nicht immer zuverl├Ąssig. Aber meine Onkologin ist der Ansicht, dass ich durch das steigen bzw sinken der Tumormarker das Wachstum bzw den R├╝ckgang meiner Tumore bestimmen kann. Trotzdem bestand ich auf ein Staging.

Meine Tumormarker waren von 841 auf 27 zur├╝ckgegangen. Das ist der Wert eines gesunden Menschen. Darum war ich nat├╝rlich total gl├╝cklich dar├╝ber. Mein Hausarzt konnte es kaum glauben, als ich ihm erz├Ąhlte, dass ich meine schulmedizinische Therapie seit Dezember 2017 nicht mehr mache. Er war total verbl├╝fft. Ich hatte meinen ├ärzten nichts davon erz├Ąhlt, weil sie immer, wenn ich alternative Heilmethoden ansprach, sehr ignorant reagierten. Ich kam mir manchmal vor, als w├Ąre ich ein Kleinkind und h├Ątte selbst nichts zu sagen, was mein Leben betrifft. Ich wei├č, dass sich ├ärzte im Laufe ihres Studiums sehr viel Wissen aneignen, um ihre Patienten kompetent behandeln zu k├Ânnen. Und dann kommt da so ne verpeilte Chaotin (das ist das, was viele in mir sehen) an und holt sich Kr├Ąuter, Vitamine und Cannabis, um sich selbst zu behandeln. Nat├╝rlich sind die Schulmediziner nicht begeistert, wenn sie das h├Âren. Meine Onkologin ermahnte mich immer wieder, dass ich nicht st├Ąndig nach Heilmethoden suchen soll. Ich w├Ąre schlie├člich Palliativpatientin, mit dem halben K├Ârper voller Metastasen. Sie w├╝rde aber versuchen, mir durch die schulmedizinischen Therapien noch etwas Leben zu erm├Âglichen. Sie meinte, ich w├╝rde es niemals schaffen, meine Tumormarker soweit zur├╝ckzudr├Ąngen, dass sie im Normbereich sind. Sie erkl├Ąrte mir immer wieder, dass ein Stillstand der Metastasen schon ein gro├čer Erfolg w├Ąre. Wenn man aber die Lunge voller Metastasen hat, so dass man schon kaum mehr richtig atmen kann, ist einem das nicht genug. Das gilt zumindest f├╝r mich.

ICH HABE ES GESCHAFFT!

Im Juli war es soweit. Meine Tumormarker waren im Normbereich. Und auch sonst war alles gut. Ich hatte seit meiner Metastasendiagnose vor 1,5 Jahren keinen einzigen Infekt. Das gibt es kaum, wenn man Chemo und Co. macht. Ich habe in der Zeit so viele Krebskranke kennengelernt, die es nicht geschafft haben. Der Tod ist f├╝r mich zum Alltag geworden. ├Źch bin aus einigen Krebsforen ausgetreten, weil ich mich nicht st├Ąndig damit befassen will. In einer geschlossenen Krebs-Gruppe bin ich noch. In dieser Gruppe sind nur Frauen mit metastisiertem Brustkrebs. Diese Frauen sind so verdammt stark. Sie tr├Âsten sich gegenseitig, wenn es ihnen schlecht geht und geben sich Halt. Sie tauschen sich aus, ├╝ber ihre Therapien und helfen einander. Ich bekomme G├Ąnsehaut, wenn ich an sie denke. Aber manchmal brauche ich auch mal ne Pause von dieser Gruppe. Der Tod ist immer pr├Ąsent. Am meisten trifft es mich, wenn junge Frauen sterben und ihre Kinder zur├╝cklassen m├╝ssen. In der Regel sind die Kinder vor dem Tod ihrer M├╝tter schon traumatisiert. Das zerreist mir manchmal fast das Herz. Vor allem, wenn ich sehe, wie diese Frauen vorher gek├Ąmpft haben, f├╝r sich und ihre Familien. Was sie alles in Kauf genommen haben, um noch etwas leben zu d├╝rfen. Manchmal ist es aber auch kein Leben mehr, sondern nur noch eine einzige Qual.

So lange ich kann, werde ich mir das nicht mehr antun. Nach allem, was ich durch habe, will ich keine Chemotherapien mehr, keine ├ľstrogenblocker und auch keine weiteren Operationen. Ich werde nur noch selbst ├╝ber meinen K├Ârper entscheiden. Egal, was das f├╝r Konsequenzen f├╝r mich hat. Ich habe nicht mehr viel zu verlieren.

Jetzt zu meinem Staging!

Im Krankenhaus war es mal wieder so, wie es nun mal in so nem Krankenhaus ist. Ich sollte eine Computer-Tumographie bekommen. Ich wartete also im Zimmer, dass ich aufgerufen werde. Ich h├Ątte meine Zeit auch gern anders verbracht, aber ich sollte auf dem Zimmer warten. Das ist nicht besonders angenehm, wenn man eine andere Patientin im Zimmer hat, die einen k├╝nstlichen Darmausgang hat und Durchfall dazu. Eigentlich m├╝ssen Patienten, die einen Darminfekt haben, ein Einzelzimmer bekommen, wegen der Ansteckungsgefahr von anderen Krebspatienten. F├╝r Chemopatienten kann es t├Âdlich sein, wenn sie sich mit Keimen, Bakterien oder Vieren infizieren. Es roch so schlimm, dass mir zwischenzeitlich sehr ├╝bel wurde. Ich wollte mich aber nicht beschweren. Erstens, weil meine Zimmergenossin sehr nett war und ich eine starke Verbundenheit zu ihr sp├╝rte und weil es meiner Mitbewohnerin selbst total unangenehm war. Au├čerdem wusste ich, dass ich nicht viel zu bef├╝rchten hatte, da ich mich selbst behandelte und mein Immunsystem so richtig krass aufgebaut hatte.

Naja, ich wurde doch nicht abgeholt und das CT musste warten. Ich fragte noch einige Male nach, wann es soweit w├Ąre, dass ich die n├Âtige Untersuchung bekomme, aber die Schwestern meinten nur, dass es dann wahrscheinlich morgen soweit w├Ąre. Ich hatte damit gerechnet an dem Tag wieder nach Hause zu gehen. Mein Sohn war krank und musste sich alleine um unsere Haustiere k├╝mmern. Und abgesehen davon, hatte ich viel zu tun.

Am n├Ąchsten Tag wurde ich auch immer wieder vertr├Âstet. Daraufhin ging ich selbst in die Radiologie, um mich zu erkundigen, wann ich mit dem geplanten Eingriff rechnen k├Ânne. Da erfuhr ich, dass ich komplett vergessen wurde. Meine Akte wurde erst zehn Minuten zuvor in die Radiologie gebracht. Mir wurde gesagt, dass etwa zwanzig Patienten noch vor mir dran w├Ąren und es nicht sicher sei, dass ich an dem Tag noch dran kommen w├╝rde. Ich beschwere mich eher selten. Aber da tat ich es. Dann ging ich wieder auf mein Zimmer, um die Zeit totzuschlagen.

Nach etwa zwei Stunden wurde ich dann doch in die Radiologie geschickt. Sie hatten mich doch noch irgendwie eingeschoben. Wie immer bekam ich w├Ąhrend des Eingriffs Kontrastmittel gespritzt. Mir wird immer total ├╝bel, wenn ich die Injektion bekomme. Das letzte Mal, h├Ątte ich fast gespeit. Das ist nicht wirklich angenehm, wenn man gerade auf dem R├╝cken liegt und sich nicht r├╝hren darf. Diesmal war es wieder so. Mir wurde total ├╝bel. Aber zum Gl├╝ck dauert diese Untersuchung nicht allzu lange und ich konnte es mir gerade noch verkneifen, alles vollzukotzen.­čĄó

Ich war endlich fertig und durfte endlich nach Hause. Am n├Ąchsten Tag sollte ich zur Besprechung in die Klinik kommen. Die Onkologin war auch ziemlich erstaunt, ├╝ber das Ergebnis. Sie entdeckte auf den ersten Blick nichts auff├Ąlliges. Sie meinte aber, dass die Radiologin nochmal explizit dr├╝ber schauen m├╝sste. Dann w├╝rde ich den Entlassungsbericht nach Hause bekommen. Sie wollte mir zwei Tage sp├Ąter den Bericht eigenh├Ąndig in den Briefkasten werfen.

Ich sa├č also wie auf Kohlen und wartete an dem besagten Tag auf diesen Brief. Ich blieb den ganzen Tag zu Hause und rannte st├Ąndig zum Briefkasten, um zu sehen, ob sie schon da war. Als es aber immer sp├Ąter wurde, es war sicher schon 21.00 Uhr, dachte ich mir schon, dass ich vergessen wurde. Darum fuhr ich selbst in die Klinik, um mir die Entlassungspapiere zu holen. Etwas aufgeregt war ich schon. Ich muss zugeben, ich hatte mit einem wirklich guten Ergebnis gerechnet.

Wie schon im Februar diagnostiziert wurde, sind meine Lungenmetastasen enorm zur├╝ckgegangen. Es wurden aber noch zwei Metastasen in der Lunge gefunden. Die gr├Â├čte aller Lungentumore ist mittlerweile von 4,8 auf 2,3 cm geschrumpft. Was mit dem zweiten Befund ist, check ich noch nicht so ganz. Davon war im Februar nicht die Rede. Werde das aber im Januar mal mit meiner Onkologin genau besprechen. Auch, wenn im Blut nichts mehr nachweisbar ist, sind diese zwei Restbefunde da. Das ist aber kein Drama. Momentan habe ich alles im Griff.

Es gibt aber was, das mich schon etwas zur├╝ckgeworfen hat. Es wurden zwei Metastasen in den Rippen entdeckt. Ich werde diesbez├╝glich aber noch einmal einen Radiologen konsultieren. Die Rippenmetastasen sind aber genau wie die gr├Â├čere Metastase in der H├╝fte sklerosiert. Das bedeutet, das sich das Knochengewebe wieder verdichtet hat. Darum werde ich mit den Biphosphonaten (Therapie, um Knochenmetastasen am Wachstum zu hindern) auch nicht wieder anfangen. So lange ich keine Probleme damit habe, mach ich hier mein Ding!

Nichts desto trotz, bin ich gl├╝cklich ├╝ber das Ergebnis. Ich habe 1,5 Jahre „├╝ber“lebt. Aber ich werde noch LEBEN!! So richtig! Mit allem, was dazu geh├Ârt. Mit allem, was das Leben so zu bieten hat. Und dabei ist es mir egal, was sich in meinem K├Ârper befindet. Das ist eben ein Teil von mir. Ich mache mich nicht verr├╝ckt. Ich habe gelernt hinzufallen und wieder aufzustehen. Das mache ich schon so lange. Und ich denke, ich mache das ganz gut und ich glaube, ich wei├č was jetzt zu tun ist. ­čśë

#brustkrebs #metastisierterbrustkrebs #cancer #computertumographie #staging

2 Kommentare zu „Staging

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